Wir sind die Guten

(Shoot / Get Treasure / Repeat)
von Mark Ravenhill
Deutsch von John Birke

Wiederaufnahme in der Spielzeit 2016/2017 ab Frühjahr 2017 im Grillo-Theater

“Wir sind die Guten! Warum attackiert ihr uns? Wir verstehen es nicht. Wir sind weltoffen und tolerant, und der Islam gehört zu Deutschland. Warum werden wir zur Zielscheibe? Jahrelang haben wir hier in unserem bunten Viertel in guter Nachbarschaft gelebt. Und jetzt fühlen wir uns fremd im eigenen Land und haben Angst, vor die Tür zu treten! Das muss man doch mal sagen dürfen. Sicher wollen wir uns sicher fühlen, und dafür kämpfen wir – notfalls mit Waffengewalt. Wir alle bringen Opfer, nicht zuletzt für eure Freiheit. Ich hör immer Respekt: Aber Respekt ist keine Einbahnstraße. Demokratie fußt nun mal auf der Bereitschaft Kompromisse einzugehen. Und damit sprechen wir nur aus, was die schweigende Mehrheit denkt.“
– Schockiert stehen Mittelstandsbürger nach einem verheerenden Attentat vor den Trümmern ihrer ‚Toleranz‘. Hilflos ringen sie um Fassung, suchen nach Lösungen, kämpfen gegen Rachegelüste und Hass und verstehen ihre heile Welt nicht mehr.

Mark Ravenhill gehört seit dem durchschlagenden weltweiten Erfolg seines ersten abendfüllenden Stückes „Shoppen und Ficken“ im Jahre 1996 zu den führenden zeitgenössischen Dramatikern Großbritanniens. „Shoot / Get Treasure / Repeat“ schrieb er 2007 unter dem Eindruck der Bombenattentate auf die Londoner U-Bahn. Diffuse Terrorismusangst, verstärktes Sicherheitsbedürfnis der Bevölkerung, nahezu paranoide Angst vor Islam und allem Fremden, Hoffnung, durch kriegerische Einsätze Herr der bedrohlichen Weltlage zu werden … – dies sind nur einige der Themen, die Ravenhill in seiner Szenenfolge aufgreift. Das Stück hat acht Jahre später nichts von seiner Aktualität verloren, im Gegenteil, es gewinnt jetzt, 2015, eine noch größere Brisanz: Pegida, das Attentat auf „Charlie Hebdo“ und die heftig geführte Diskussion, die seitdem Deutschland und ganz Europa beherrscht, weisen auf eine tiefe Spaltung unserer Gesellschaft hin. Wo verläuft die Grenze zwischen Toleranz und wehrhafter Demokratie? Gelten unsere westlichen Werte universal? Für welche Werte müssen wir zur Not mit der Waffe in der Hand kämpfen? Darf Satire alles? Wo hört die Meinungsfreiheit auf, wo beginnt Provokation? Ist Respekt vor Religionen der Anfang oder das Ende der Aufklärung? Wovor haben wir wirklich Angst?

 

Am Schauspiel Essen hat Hermann Schmidt-Rahmer bereits mehrfach inszeniert: Elfriede Jelineks „Ulrike Maria Stuart“ wurde beim NRW Theatertreffen 2012 mit dem Preis für die beste Inszenierung ausgezeichnet. 2012/2013 folgte „Clockwork Orange“ und in der Spielzeit 2013/2014 die theatralische Umsetzung von Lars von Triers Film „Manderlay“. In der aktuellen Saison realisierte Schmidt-Rahmer im Grillo-Theater sein neues Projekt „Ich habe nichts zu verbergen – Mein Leben mit Big Data“ .
 

Titelfoto und Bilderstrecke: Martin Kaufhold

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