Top Dogs

von Urs Widmer

Wiederaufnahme in der Spielzeit 2016/2017 am 4. November 2016 im Grillo-Theater

Inszenierung
Christoph Roos  
Bühne
Peter Scior  
Kostüme
Anne Koltermann  
Musik
Markus Maria Jansen  
Dramaturgie
Jana Zipse  
Julika Jenkins
Silvia Weiskopf  
Susanne Wrage
Ines Krug  
Dodo Deer
Thomas Büchel  
Urs Bihler
Jan Pröhl  
Hanspeter Müller
Sven Seeburg  
E. Heinrich Krause
Axel Holst  
Michael Neuenschwander
Thomas Meczele  

„Sie sind entlassen worden.“ – „Entlassen? Hören Sie, das hätte man mir gesagt!“ – „Man hat es Ihnen gesagt, aber Sie haben nicht zugehört.“

Wirtschaftskrise. Unternehmen werden umstrukturiert, redimensioniert oder geschlossen. Um die finanziellen Verluste einigermaßen auszugleichen, müssen konsequent Mitarbeiter entlassen werden. Aber dieses Mal trifft es nicht nur die „Underdogs“: Dieses Mal geht es den höheren und höchsten Etagen an den sauber gebügelten Designerhemdkragen.
„Outplacement“ heißt das Gebot der Stunde, und jene Manager, die einst in den Schaltzentralen der Macht saßen, treffen nun in der „New Challenge Company“ aufeinander. Zwischen Computer, Kopierer und Kaffeemaschine, Gesprächsrunden, Rollenspielen und Manöverkritiken soll eine abgehalfterte Elite das lernen, was sie den Untergebenen selbst jahrelang über den Sicherheits­abstand eines überdimensionierten Schreibtisches hinweg gepredigt hat: Scheitern als Chance und die „Freisetzung“ als reizvolle neue Möglichkeit zur Optimierung der eigenen beruflichen Laufbahn zu verstehen. Denn Aufgeben ist keine Option, und selbst wenn man für den neuen Job die Heimat hinter sich lassen muss, hat man ja immerhin drei Freiflüge pro Jahr …

Als Urs Widmer 1996 sein Theaterstück „Top Dogs“ schrieb, hieß es, die fetten Jahre seien vorbei. Inzwischen wurden ganze Management-Ebenen gestrichen, sind Restrukturierungen in Deutschlands Unternehmen zum Dauerzustand geworden. Auch Vorstände sind heute gefährdet: Erbringen sie nicht die erwarteten Gewinne, lösen die Aufsichtsräte sie lieber früher als später ab. Widmer zeigt aus unterschiedlichen Perspektiven und mit viel Witz, wie diese entlassenen „Top Dogs“ versuchen, die Kränkung der Kündigung in den Griff zu kriegen: Der Verlust des Arbeitsplatzes wird der Umwelt verschwiegen, er wird zu einem Sieg über den ehemaligen Arbeitgeber umgedeutet oder einfach nicht wahrgenommen. Doch nach und nach kommen die Menschen hinter den Managermienen zum Vorschein, ihre Ängste, ihre Sehnsüchte, ihre Träume.

 

Titelfoto und Bilderstrecke: Martin Kaufhold

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