Ich rufe meine Brüder

von Jonas Hassen Khemiri
Deutsch von Jana Hallberg
Für Jugendliche ab 15 Jahren

Wiederaufnahme in der Spielzeit 2015/2016 am 9. Oktober 2015 in der Box

Inszenierung
Katarzyna Maria Noga  
Bühne und Kostüme
Anne Koltermann  
Musik
Frank Cifarelli  
Dramaturgie
Florian Heller  
Spieler 1 / Amor
Thomas Meczele  
Spieler 2 / Shavi / Stimmenverstärker / Überwacher / Verkäufer
Philipp Noack  
Spieler 3 / Stimmenverstärker / Valeria / Karolina
Lisan Lantin  
Spieler 4 / Stimmenverstärker / Ahlem / Überwacher / Tyra
Flora Pulina  

Eine Autobombe ist explodiert. Mitten in der Stadt. War es Amor? Er ist doch kein Terrorist. Nur ein ganz normaler junger Mann mit Migrationshintergrund. Mit Bart. Mit Rucksack. Einer wie Tausende. Die Beschreibung des Attentäters könnte aber auf ihn passen … Amor irrt allein durch die Stadt. Seit sein bester Freund Shavi Vater geworden ist, denkt der nur noch an Babybrei; die angebetete Valeria will nicht mit ihm abhauen und den kaputten Bohrkopf in seinem Rucksack bekommt er nicht umgetauscht, obwohl ihn ein „Bruder“ bedient. Der müsste doch per se Verständnis haben! Worauf ist denn noch Verlass? Amor ruft seine Brüder: Ruhig und unauffällig sollen sie sich verhalten, überfreundlich oder aber selbstbewusst furchtlos, obwohl sie unter Generalverdacht stehen – sie haben schließlich nichts verbrochen, außer ins Raster zu passen. Wie Amor. Doch warum hat Shavi ihn zur Tatzeit nicht erreichen können? Jonas Hassen Khemiri, 1978 in Stockholm als Sohn einer Schwedin und eines Tunesiers geboren, gehört zu den bekanntesten zeitgenössischen Autoren Schwedens. In „Ich rufe meine Brüder“ verarbeitet er ein Attentat, das 2010 die Stockholmer Innenstadt erschütterte, zu einer Coming of Age-Geschichte, in der die Zweifel und Verwirrungen eines Heranwachsenden durch seinen Migrationshintergrund, westliche Terrorismusängste und gesellschaftliche Generalverdächtigungen verschärft werden. Khemiri ergreift dabei geschickt keine Partei. Der bisweilen hysterische Züge annehmenden Angst vor islamistischen Terroristen setzt er Amors eigene Paranoia entgegen: Das Wissen, allein aufgrund seines Äußeren als potenzieller Täter zu gelten, lässt ihn selbst zum Opfer werden.

 

Titelfoto und Bilderstrecke: Diana Küster

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