Dämonen

nach dem Roman von Fjodor Dostojewski
Deutsch von Swetlana Geier
Bühnenfassung von Hermann Schmidt-Rahmer

Premiere am 29. April 2017 im Grillo-Theater

In einem russischen Provinznest besteht das Leben vornehmlich aus süffisanten Disputen über Kultur und Halstücher. Die vermögende Witwe Warwara und der ihr seit Jahren verbundene Schöngeist Stepan beherrschen die hohe Kunst der leeren Rede und haben sich in einer Gesellschaft realitätsferner Intellektueller wohlig eingerichtet – bis die Rückkehr ihrer Söhne sie und den gesamten Ort ins Chaos stürzt. Warwaras Sohn Nikolaj ist ein rätselhafter Charismatiker, dessen irritierendes Verhalten nicht nur seiner Mutter Rätsel aufgibt. Woher kommen seine plötzlichen Wutausbrüche? Was verbindet ihn mit der verrückten Marja? Ist er womöglich selber geisteskrank? Seine Unberechenbarkeit macht ihn zugleich attraktiv – für die Damenwelt und für den anderen Neuankömmling Pjotr. Der will die lahme Greisengesellschaft aufrütteln. Die Zeit der Alten ist abgelaufen! Es reicht ihm nicht, seinen Vater Stepan bloßzustellen und einen Keil zwischen ihn und Warwara zu treiben. Nein, Pjotr möchte die Welt verändern. Der radikale Atheist sammelt eine Schar von Revolutionären um sich mit dem Ziel, eine totalitäre Weltordnung durchzusetzen. Dafür geht er notfalls über Leichen. Jedoch fehlt ihm noch die Lichtgestalt an der Spitze der Bewegung, eine Person, die die Massen verführen kann. Wer könnte das besser als der charismatische Nikolaj? Immer mehr Menschen geraten in den zerstörerischen Sog der beiden Männer …

Dostojewski greift in seinem zwischen 1870 und 1872 entstandenen großen Roman historische Ereignisse rund um den Terroristen Netschajew auf und entwickelt daraus ein faszinierendes, bisweilen surreal anmutendes Meisterwerk über Glaube und Fanatismus, Moral und Skrupel, Revolution und Religion. An der Schwelle zum 20. Jahrhundert beschreibt Dostojewski nicht nur spannungsvoll den erbitterten Kampf der Generationen, sondern nahezu prophetisch die Mechanismen von Faschismus, Stalinismus und Terrorismus. Zugleich seziert er schonungslos ein desillusioniertes Menschengeschlecht auf der Suche nach Erlösung in einer gottlosen Welt – getrieben, fanatisch, verführbar.

Hermann Schmidt-Rahmer, geboren 1960 in Düsseldorf, studierte Musikwissenschaft und Philosophie in München und absolvierte ein Schauspielstudium an der Universität der Künste Berlin. Nach Engagements an der Freien Volksbühne Berlin, am Schauspielhaus Köln, am Hamburger Schauspielhaus und am Wiener Burgtheater arbeitet er seit 1990 als freier Regisseur, u. a. in Köln, Berlin, Basel, am Theater Dortmund, am Düsseldorfer Schauspielhaus sowie am Schauspielhaus Bochum. Hermann Schmidt-Rahmer arbeitet zudem als Autor und Übersetzer und ist Professor für Szene an der Universität der Künste in Berlin. Im Jahr 2011 wurde er mit „Rechnitz. Der Würgeengel“ am Düsseldorfer Schauspielhaus für den Theaterpreis „DER FAUST“ nominiert. Hermann Schmidt-Rahmer arbeitete bereits mehrfach am Schauspiel Essen. Seine Inszenierung von Elfriede Jelineks „Ulrike Maria Stuart“ wurde beim NRW Theatertreffen 2012 mit dem Preis für die beste Inszenierung ausgezeichnet. Nach „Manderlay“ von Lars von Trier in der Spielzeit 2013/2014 inszenierte er 2015 „Wir sind die Guten“ von Mark Ravenhill und brachte in der Spielzeit 2015/2016 das Projekt „Ich habe nichts zu verbergen – Mein Leben mit Big Data“ zur Uraufführung. Wie in allen seinen Inszenierungen wird er auch bei „Dämonen“ einen deutlichen Bezug zu gesellschaftlichen und politischen Entwicklungen unserer Zeit herstellen.

 

Gefördert vom Freundeskreis Theater und Philharmonie Essen e.V.
 

Titelfoto: Martin Kaufhold

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