Prinz Friedrich von Homburg
Ein Schauspiel von Heinrich von Kleist
Premiere im Grillo-Theater
30. September 2010, 19:30 Uhr
- Inszenierung
- Christian Hockenbrink
- Musik
- Alexander Paeffgen
- Bühne
- Mascha Deneke
- Kostüme
- Kati Kolb
- Dramaturgie
- Marc-Oliver Krampe
- Friedrich Wilhelm, Kurfürst von Brandenburg
- Jan Pröhl
- Die Kurfürstin
- Ines Krug
- Prinzessin Natalie von Oranien, seine Nichte, Chef eines Dragonerregiments
- Floriane Kleinpaß
- Prinz Friedrich Arthur von Homburg, General der Reuterei
- Jannik Nowak
- Obrist Kottwitz, vom Regiment der Prinzessin von Oranien
- Gerhard Hermann
- Graf Hohenzollern, von der Suite des Kurfürsten
- Jens Ochlast
Prinz Friedrich von Homburg, General der märkischen Reiterei, hat einen Hang zur Geistesabwesenheit. Auch bei der Befehlsausgabe vor der Schlacht gegen die Schweden ist er – traumverloren – mit seinen Gedanken eher bei Prinzessin Natalie als bei der Sache und überhört so wichtige Order. Unter Missachtung des ihm daher nicht geläufigen Schlachtplans handelt er im Kampf eigenmächtig und folgt ganz seinem Bauchgefühl. Das führt zwar zum Sieg über die gegnerische Streitmacht, der Kurfürst hält es aber dennoch für seine Pflicht, das Kriegsgesetz anzu- wenden: Er fällt das Todesurteil über Friedrich. Als dessen verzweifeltes Flehen um sein Leben und die Fürbitte aller Offiziere, Gnade vor Recht walten zu lassen, den Fürsten bedrängen, packt dieser den Prinzen bei seiner Ehre.
Wahrscheinlich inspiriert von Adam Müllers Vorlesungen über “die Elemente der Staatskunst” stellt Kleist im “Homburg” die Idee von Staat und Gesellschaft zur Diskussion. Er thematisiert das Verhältnis des Träumers zur Ordnung, sucht nach einer möglichen Vermittlung zwischen persönlichen Bedürfnissen und allgemeinen Erfordernissen sowie zwischen Gefühl und Verstand und stellt die Frage nach der Legitimation von Macht und Recht.
Wie sein Homburg stammt auch Kleist selbst aus einer alten preußischen Offiziersfamilie. Nachdem er sich zunächst standesgemäß als Soldat verdingt hatte, versuchte er sich in der Folge als Student, Finanzbeamter, Bauer, Journalist und – erst relativ spät – als Dichter. Sein ganzes unruhiges Wanderleben lang war er auf der Suche nach einem “Lebensplan”, der sowohl im Alltag praktikabel als auch existenziell sinnstiftend sein sollte, eine Verständigung zwischen wirtschaftlichen Erfordernissen und persönlichem Glück. Doch diesen “Lebensplan” fand Kleist nie. Im Alter von 34 Jahren wählte er den Freitod. Der “Homburg” war sein letztes, vielleicht persönlichstes Stück.
