Pressestimmen
Donald Berkenhoff hat diese maliziöse Revue aus Egozentrikern und Losern auf deutsche Verhältnisse übertragen und in Szene gesetzt – mit exzellentem Gespür für das richtige Timing (…), um uns mit und wegen und trotz all dieser Typen zum Lachen zu bringen, staunen zu machen, das Fürchten zu lehren, uns anzurühren.
Dabei kann er auf einen Schauspieler vertrauen, der schlicht und ergreifend ein Ereignis ist. Der sich das Leben, die Furcht, den Zorn, das Selbstmitleid, die Paranoia all dieser Männer ganz und gar zu eigen macht, das Rollenspektakel auskostet und sich in rasendem Tempo häutet, bis man auf rohes Fleisch starrt. (…) Bitte unbedingt noch mal!
Donaukurier, 9. Januar 2012
Tom Gerber (…) wirkt harmlos wie ein Versicherungsmakler oder ein Familienvater, den seine Rollen überkommen wie eine Heimsuchung – mal gereizt, dann beschwörend, aggressiv oder feurig – und der sich mit virtuos artistischer Übergriffigkeit den Zumutungen des Lebens erwehrt.
Theater heute, Natalie Bloch, Nennung in der Kategorie “Schauspieler des Jahres 2011”
Epische Comedy zum Theatertreffen
(…) Er spielt Rollen, er geht ins Publikum, er improvisiert. Er gibt den Berliner Dealer als Mensch mit Herz und den alibitoleranten Neureichen als Kotzbrocken, ohne dabei in Schwarz-Weiß-Malerei zu verfallen. Das ist drastisch und lässt keine Gelegenheit aus, diverse Körperflüssigkeiten zu erwähnen. Das ist aber zugleich so witzig und so entlarvend, dass nach anderthalb Stunden die Begeisterung groß ist.
Rheinische Post, 8. April 2011
Kunst! gebt mir Kunst!
Diese pfeffrige One-Man-Show von Eric Bogosian (…)wurde für die Deutsche Erstaufführung (…) in der Regie von Donald Berkenhoff auf hiesige Verhältnisse übertragen, mit Tom Gerber als Reiseführer durch die Hölle. Als Verwandlungskünstler spielt er sich durch sämtliche Prototypen zeitgenössischer Befindlichkeiten: Heraus kommt dabei eine Stand-up-Comedy der etwas krasseren Art. (…) Der Schauspieler Tom Gerber kann aber nicht nur blanker Horror, sondern auch Gier, Geiz und Grillsucht, Porno, Drogen, Paranoia, Psycho und Möchtegern-Serienkill. Entsprechend cholerisch, zittrig, verklemmt, großmäulig, zerrissen, stöhnend, selbstherrlich, kaputt, entrückt, filigran, engstirnig oder schleimig zeigt er sein Gruselkabinett aus Angebern, Zynikern, Konsumenten, Sex-Predigern, Liebes-Heiligen, System-Spielern und Profiteuren. Fazit: “Man muss die Regeln kennen.” Gerber zeichnet dabei seine Figuren süß-sauer mit ganz scharf und sehr, sehr lebensecht. Ein echtes Solo-Spektakel. Vielstimmiger und kantiger kann ein Monolog wohl kaum geraten. So macht Monokultur Spaß.
Reutlinger Nachrichten, 17.02.2011
Von agressiv bis sentimental
Nur Text und sonst nichts. Ein hervorragender Schauspieler wie Tom Gerber macht daraus ein Ereignis! (…) Elf Rollen verkörpert Tom Gerber, wobei man davon überwältigt wird, wie subtil und präzise er jeder ein Eigenleben verpasst. Das perfekte Timing, mit dem die Suada nahtlos von einem Kerl zum nächsten wechselt und dazwischen noch Luft für Publikumsanmache behält, trägt die Handschrift des Klasseregisseurs Donald Berkenhoff.
Reutlinger General-Anzeiger, 17.02.2011
Grandios ins Publikum gepöbelt
Tom Gerber (…) scheint in seiner Solo-Show immer mal wieder zu improvisieren, da werden nahezu tagesaktuelle Ereignisse in die vielfältigen Monologe eingebaut. (…) Die Wut verschiedener angry young men schreit er heraus, den Frust der Verlierer unserer Wohlstandsgesellschaft (…). Den Egoismus, die Gier, den Zynismus unserer heutigen Gesellschaft und deren Schattenseiten, die Verrohung derer, die dem Wettkampf um den Erfolg nicht gewachsen sind, spießt die Inszenierung gnadenlos auf. Tom Gerber macht das furios. Seine Wandlungsfähigkeit ist phänomenal, seine Rollenidentifikation erschreckend. (…) Die Intensität von Gerbers Spiel lässt niemanden im Publikum gleichgültig. (…) Und es ist die konsequente Umsetzung von Eric Bogosians Theater-Philosophie: “Ich will, dass Theater mich aufweckt, nicht dass es mich einlullt und schläfrig macht”, hatte der gesagt. (…) Mitreißend, fesselnd – hingehen!
theater pur, Februar 2011
Tom Gerbers furioses Wohlstandssolo
In einer feurigen One-Man-Show performt Tom Gerber die deutschsprachige
Erstaufführung von Eric Bogosians “Mit dem Kopfschlage ich Nagel in den Boden”. Gerber speit und ätzt den Lebensüberdruss an unserer Konsumgesellschaft aus sich heraus, ein Zyniker, fleischgewordener Bürgerschreck und psychopathischer Dauerredner, der unter den eigenen Wortkaskaden atemlos japst, sich den Kopf rot redet, bis ihm die Augen herausquellen. Dabei schlüpft er in die unterschiedlichsten Figuren: Der von Angela Merkel alpträumende Familienvater verwandelt sich im Nu in den bis unter die Haarwurzeln zugekoksten Bahnhofsdealer oder den cholerischen Großverdiener, der messerfuchtelnd am Grill über seinen Poolfilter parliert. Dann torkelt er übergriffig durchs Publikum oder wälzt sich als Hund über den Boden. Aggression bestimmt alle seine Figuren und wirft ein grelles Licht auf die Wohlstandsprobleme unserer Gesellschaft.
Theater heute, 12/2010
Der enorm wandlungsfähige Tom Gerber zeichnet mit Eric Bogosians perfekt in die Gegenwart übertragenen Texten ein wunderbares Gesellschaftsbild.
WELT ONLINE
Szene um Szene schlägt sich Gerber verbal den Kopf ein
“Was passiert, wenn der Regisseur Donald Berkenhoff innerhalb von zwei Wochen 50 Kilometer voneinander entfernt zwei Männer auf die Bühne stellt, einmal Stefan Viering im dicken Turm in Heidelberg und einmal Thomas Gerber in der Stadtmitte-Disko in Karlsruhe? Erst einmal Narration. (…) Thomas Gerber erzählt in der deutschen Erstaufführung von ‚Mit dem Kopf schlage ich Nägel in den Boden’ viele kleine Geschichten, inspiriert durch die Stand-Up-Comedys des amerikanischen Dramatikers Eric Bogosian, für seine zynischen Ein-Personen-Stücke bekannt. (…) Thomas Gerber, der mit dieser Premiere seinen Abschied vom Karlsruher Theater nimmt, um nach Essen zu gehen, darf sich in der Karlsruher Disko noch mal richtig austoben. Aus seinen vielen kleinen Rollen entsteht ein Abgesang auf die Konsumgesellschaft, Pseudotoleranz und Arbeitsmoral. Gespickt mit selbstreferenziellen Kommentaren und Zuschauer-Anfassen, damit der sich auch unwohl fühlt. (…) Szene um Szene schlägt sich Gerber mit atemloser Gag-Geschwindigkeit verbal den Kopf ein. Dieses vom Regisseur intendierte An-die-Grenzen-Gehen strengt an. Auch Gerber, der am Ende bei gefühlten 40 Grad Raumtemperatur schweißdurchnässt ist. (…)”
Badische Neueste Nachrichten, 16.07.2010
Ein Panoptikum der Überforderten, Überdrehten und Überhitzten
“(…) Gerber jagt in gut 90 Minuten durch ein Panoptikum der Überforderten, Überdrehten und Überhitzten, die am Schluss um fürchterliche Folter winseln, um im Schmerz wenigstens einmal etwas ‚Authentisches’ zu spüren, ‚damit vielleicht, und sei es nur für ein paar Sekunden, der Krach in meinem Kopf aufhört.’ Der virtuose Schauspieler Gerber vermittelt den Überdruck, unter dem die Figuren stehen – und die Hitze in der ‚Stadtmitte’, die bei der Premiere zum Brutkasten wird, überträgt ihn direkt aufs Publikum. Das wird gleich zu Beginn in Geiselhaft genommen: Man sitzt und schwitzt und der Kerl auf der Bühne donnert einem entgegen, man säße jetzt gemeinsam im Zug, der übrigens sein Zug sei, er sei der Zugführer, und nein, Aussteigen sei leider nicht möglich. (…) Anfangs gibt Gerber einen Conférencier, der zwischen Plauderei und Pöbelei hin und her zappt, später schlüpft er in klar abgetrennte Rollen. Beispielsweise in die des abgedrehten Dealers, der wortreich darlegt, warum er seinen einst besten Freund Uwe wohl aus Liebe wird umbringen müssen. Oder die des bornierten Reichen, der sich auf seinem stachedrahtumzäunten Grundstück am teuren Grillgut erfreut – hier zeigt Gerber durch eine allmähliche Steigerung nervöser Tics, wie paranoid diese Figur sich vor dem Überfall der Besitzlosen auf sein Paradies fürchtet. (…)”
Haller Tagblatt, 20.07.2010
Ein Fest des beißenden Sarkasmus
“(…) Tom Gerber bringt dem Publikum das Seelenleben dieser Verlierertypen und Parvenüs nahe, zuweilen körpernah. In seinem fast eineinhalbstündigen, kräftezehrenden Auftritt jagt er durch ein Kabinett schonungsloser Charakterstudien – ein Fest des beißenden Sarkasmus. (…)
Von Thomas Huber übersetzt und in deutsche Realitäten eingepasst, legt sich Gerber den Text in der Regie von Donald Berkenhoff zurecht. Daraus entwickelt er einen packenden Wut-Exzess, der zwischendurch wieder im charmanten Plauderton plätschert. Virtuos zappt Tom Gerber – lediglich mit Mikrofon und Stuhl ausgestattet – durch die unterschiedlichen und vor allem extremen Stimmungslagen seiner Figuren. Zunächst lullt er die Zuschauer mit seinem Bild von Deutschland im Jahr 1966 voller Ehrlichkeit, Mut, Treue und Fleiß ein bisschen ein. Um ihnen dann von seinem Albtraum zu erzählen, an der Hand Angela Merkels abzustürzen in die korrupte und düstere Realität des Landes im Jahr 2010. Zwischendurch mutiert Conférencier Gerber zu einem dämonischen Kerl, der dröhnt, er sei der Zugführer dieses höllischen Zuges, aus dem es kein Entrinnen gebe, und dessen Boshaftigkeit epidemisch ausbreite. Sex, Drogen, Gewalt – nichts lässt der Schauspieler aus. Szene um Szene arbeitet er sich durch das Personal, gibt sogar Einblick in die Seele eines Hundes. (…) Plaudern – pöbeln – predigen: In diesem Abgesang auf Konsumgesellschaft und Alibi-Toleranz kann sich Tom Gerber so richtig austoben. So sehr, dass man bei mancher seiner Schimpftiraden, bei der sein Kopf in Sekundenschnelle knallrot anläuft, schier um seine Gesundheit fürchten zu müssen meint. Ein furioser, anstrengender Abend, der an Grenzen geht – und mit viel Applaus belohnt wird.”
Die Rheinpfalz, 22.07.2010