Die lebenden Toten oder: Monsters of Reality

von Christian Lollike
mit Textfragmenten von Tanja Diers und Mads Madsen
Deutsch von Gabriele Haefs

Premiere am 4. März 2017 in der Casa

Inszenierung
Jörg Buttgereit  
Bühne und Kostüme
Susanne Priebs  
Illustrationen
FuFu Frauenwahl  
Dramaturgie
Florian Heller  
A
Alexey Ekimov  
B
Silvia Weiskopf  
C
Axel Holst  

Sie kommen: die lebenden Toten. Doch diesmal kommen sie nicht, um uns das Fleisch von den Knochen zu nagen. Diesmal kommen sie, um sich die Grundlagen unserer Gesellschaft einzuverleiben. Sie treibt nicht der Hunger nach unseren Gehirnen, sondern der Hunger nach Wohlstand, Demokratie, Freiheit und Sicherheit. Dieses hungrige und alles verschlingende Zombieheer, das auf die Küsten Europas zusteuert, lässt sich von nichts aufhalten. Nicht von Krieg, Seenot, Meerestieren, herzlosen Schmugglern oder EU-Grenzwachen.
Seit George A. Romero die Figur des Untoten 1968 in „Night of the living Dead“ aus dem Kontext des haitianischen Voodoo herauslöste und sie in „Dawn of the Dead“ 1978 als Parodie des hirnlosen Konsumenten massenhaft stöhnend und geifernd durch ein Einkaufszentrum schlurfen ließ, ist der Zombie zum Kult geworden. Kein Wunder, spiegeln sich doch in den Massen ewig hungriger Untoter alle Ängste unserer derzeitigen westlichen Zivilisation wider: vom Trauma der Sklaverei, über Pandemien und Seuchen, bis zu islamistischen Selbstmordattentätern – wir schreiben die Epoche des Zombies. Und auch innerhalb unserer Alltagsrealität findet der Business-Zombie seine Entsprechung im obdachlosen Junkie-Zombie. Wer sind nun eigentlich die „lebenden Toten“? Oder: Gibt es überhaupt noch Lebende?

Christian Lollikes Theaterstück zeigt, wie drei Schauspieler sich anschicken, den Zombiefilm für die Festung Europa zu drehen und dabei an die Grenzen der Darstellbarkeit gelangen. Wie soll man auch Empathie erzeugen für eine Horde lebender Toter, wo uns doch die Krisen in unseren Liebesbeziehungen mehr Gefühl abzuringen vermögen als jede sogenannte „Flüchtlingskrise“? Zynisch ist der Ton des Stückes bisweilen, bleibt damit jedoch stets am Kern der europäischen Ignoranz und führt nebenbei virtuos die Klaviatur der Angst vor, auf der AfD, Pegida und andere Orchester sogenannter „besorgter Bürger“ in den letzten Jahren ihre eigene „Symphonie des Grauens“ spielen.

Wichtiger Hinweis:
In dieser Inszenierung kommt Stroboskop-Licht zum Einsatz.

 

Titelfoto und Bilderstrecke: Birgit Hupfeld

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