Die Kopien

von Caryl Churchill
Deutsch von Falk Richter

Wiederaufnahme in der Spielzeit 2016/2017 am 4. November 2016 in der Box

Inszenierung
Sarah Mehlfeld  
Bühne und Kostüme
Christina Hillinger  
Dramaturgie
Florian Heller  
Salter, ein Mann Anfang sechzig
Jens Winterstein  
Bernard, sein Sohn, vierzig
Stefan Diekmann  
Bernard, sein Sohn, fünfunddreißig
Stefan Diekmann  
Michael Black, sein Sohn, fünfunddreißig
Stefan Diekmann  

Bernard ist entsetzt: Es gibt sie. Nicht nur einen, viele, eine ganze Gruppe! Und alle sehen aus wie er selbst, wie eineiige Zwillinge – völlig identisch! Eine Klinik muss sein genetisches Material ­gestohlen haben, um illegal Klone von ihm herzustellen. Irgendein wahnsinniger Wissenschaftler muss ihn zum ahnungslosen Material seines neuesten geistesgestörten Projekts gemacht haben! Wie kann das sein? Bernards Vater Salter muss die Antwort kennen, und so stellt Bernard ihn zur Rede. Der Vater gerät in ­Erklärungsnot, denn er muss gestehen, dass er Bernard selbst künstlich im Labor zeugen ließ, um seinen verstorbenen ersten Sohn zu ersetzen, dass Bernard also ebenfalls eine Kopie ist. Doch sagt Salter die Wahrheit? Wenig später taucht ein weiterer ­„Bernard“ auf, mit dem vermeintlichen Original äußerlich identisch wie die anderen Kopien auch, aber älter …

Die Technologien zum Klonen eines menschlichen Embryos aus normalen Körperzellen sind in den Laboratorien des 21. Jahrhunderts längst vorhanden und in Gebrauch. Noch werden die so erzeugten Embryonen lediglich in ihre Stammzellen zerlegt, um Ersatzgewebe wachsen zu lassen. Keine Kopie eines Menschen also, sondern Material für dessen Reparatur. Doch wird es im globalen Rennen um die Optimierung menschlichen Lebens dabei bleiben? Und wenn nicht, was heißt das für den Wert des einzelnen Menschen?
Caryl Churchills Stück „Die Kopien“ spielt mit dem Szenario der gentechnologischen Vervielfältigung. Zunächst scheinbar als Vater-Sohn-Drama angelegt, stellt das Stück alle Prinzipien, auf denen unsere Erzählungen von Familie, Nachkommenschaft und Individualität beruhen, in Frage und untersucht detailliert die möglichen Konsequenzen, die Klonen für ganz reale menschliche Beziehungen hätte. Was genau bedeutet es, wenn man weiß, dass ein anderes „ich“ wie man selbst gerade redet, isst und läuft, schwimmt und träumt und existiert, irgendwo jetzt, in dieser Sekunde? Und kann man in einer Welt, in der man selbst eine Vielzahl ist, dem eigenen Vater noch glauben, wenn er einen ansieht und sagt: „Ich liebe dich“?

 

Titelfoto und Bilderstrecke: Diana Küster

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