Die fetten Jahre sind vorbei

Schauspiel nach dem gleichnamigen Film von Hans Weingartner
Für die Bühne eingerichtet von Gunnar Dreßler

Wiederaufnahme in der Casa
25. Oktober 2011, 19:00 Uhr

Inszenierung
Henner Kallmeyer  
Bühne
Franziska Gebhardt  
Kostüme
Silke Rekort  
Dramaturgie
Judith Heese  
Jan
Sebastian Tessenow  
Jule
Silvia Weiskopf  
Peter
Jörg Malchow  
Hardenberg
Sven Seeburg  

Rebellieren war früher einfacher, finden Peter, Jan und Jule. Trotzdem wollen sie die Gesellschaft verändern und nicht in der “Diktatur des Kapitals” leben. Nacht für Nacht brechen sie in die Villen von Großverdienern ein, bringen die dort gepflegte Ordnung durcheinander und hinterlassen – ohne irgendetwas zu entwenden – ein von den “Erziehungsberechtigten”, wie sie sich nennen, unterzeichnetes Bekennerschreiben: “Die fetten Jahre sind vorbei!” Oder auch: “Sie haben zu viel Geld!” Von den Dreien hingegen hat keiner zu viel Geld. Im Gegenteil: Nach einem Auffahrunfall, der ihr 100.000 Euro Schulden einbrachte, wird Jules Leben vielmehr von Geldmangel bestimmt. Statt wild und frei zu leben, hangelt sie sich von einem Nebenjob zum nächsten. Doch Jan will nicht akzeptieren, dass Jule für den reichen Mercedesfahrer Hardenberg, den Unfallgeschädigten von damals, ihre Lebensträume aufgibt. Zusammen brechen sie in Hardenbergs Haus ein. Als dieser überraschend auftaucht und Jule erkennt, entführen sie ihn kurzerhand mit Peters Hilfe in eine Berghütte. Erst durch die Auseinandersetzung mit ihrem Gefangenen stellen sie ihr eigenes Vorgehen in Frage: Gleichen ihre Methoden nicht tatsächlich denen von Terroristen? Erschwerend kommt hinzu, dass Hardenberg selbst glaubwürdig von wilden 68er-Zeiten, freier Liebe in der Wohngemeinschaft und linken Protestaktionen berichten kann …

Nach dem Kinostart von “Die fetten Jahre sind vorbei” fand das Revoluzzertrio des Films, der am Wettbewerb in Cannes teilnahm und den Deutschen Filmpreis in Silber gewann, reichlich Nachahmer. In Hamburg wurde beispielsweise von vermummten Aktivisten ein Edellokal gestürmt und “Sie haben zu viel Geld!” skandiert. Weingartners Film hatte den Nerv einer Generation getroffen. Längst hat diese untypische Dreiecksgeschichte zwischen Freunden, die sich in ihrem Idealismus stets auf einem schmalen Grat zwischen Aktionismus und Kriminalität bewegen, auch die Theaterbühnen erobert.

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