Das Fieber

von Wallace Shawn
Deutsch von Dorothea Renckhoff

Wiederaufnahme in der Box
9. November 2012

Inszenierung, Bühne und Kostüme
Bruno Klimek  
Mit
Sven Seeburg  

“Ich habe nie daran gezweifelt, daß das Leben kostbar ist. Ich war immer der Meinung, man sollte das Leben feiern. Das Leben ist ein Geschenk.” Ja, das Leben ist ein Geschenk. Für ihn schon. Er lebt in einer eleganten Wohnung, er liebt Kunst, Literatur und Theater. Er kümmert sich um Freunde und Familie und spendet Geld für wohltätige Zwecke. Was zum Teufel sollte man ihm vorwerfen? Doch nun liegt er zitternd auf dem Badezimmerboden eines Hotels in irgendeinem namenlosen Land. Einem Land, in dem Armut, Gewalt, Folter und Unterdrückung herrschen, in dem der Bürgerkrieg zu grausamen Exzessen geführt hat. Immer wieder hatte es ihn, schwankend zwischen Mitleid und Unbehagen, dort hingezogen, und die Begegnungen mit denen, die für ihre Überzeugungen kämpften und starben, hatten ihn zugleich fasziniert und beängstigt. In dieser nicht enden wollenden Nacht erkennt er endlich, von Fieberträumen geschüttelt, was ihn mit all jenen namenlosen Opfern verbindet: dass ihre Ausbeutung, ihr Elend direkte Konsequenzen seines eigenen komfortablen Lebensstils sind.

Der amerikanische Dramatiker und Schauspieler Wallace Shawn (*1943) “ist einer der wichtigsten Stückeschreiber dieser Tage, weil er die Ruhe stört. Eine Ruhe, an der das System krepieren wird, wenn es sich nicht selbst als Feind erkennt.” (Der Spiegel) In seinem verstörenden Monolog “Das Fieber” skizziert Shawn den Zusammenhang zwischen den derzeitigen globalen ökonomischen Strukturen und den Lebensbedingungen auf dieser und der anderen Seite der Welt und stellt gleichzeitig die drängende Frage nach der Bereitschaft jedes Einzelnen, politische und persönliche Verantwortung zu übernehmen. “Das Fieber” wurde 1991 mit dem “Obie Award for Best Play” ausgezeichnet und 2004 mit Vanessa Redgrave und Angelina Jolie verfilmt.

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