Schauspiel Essen: Einer muss dran glauben!

Das Programm für die Spielzeit 2016/2017 ist da!
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Essen. 2017 jährt sich ein Ereignis zum 500. Mal, das weltweite Auswirkungen nicht nur auf die Religion, sondern auch auf Politik, Kultur und Gesellschaft hatte: Martin Luther veröffentlichte 1517 seine 95 Thesen. Das Schauspiel Essen nimmt in der neuen Saison dieses Jubiläum zum Anlass, sich mit dem Thema Glaube zu beschäftigen. Im Rahmen einer Pressekonferenz im Essener Grillo-Theater hat heute Intendant Christian Tombeil gemeinsam mit seiner Chefdramaturgin und Stellvertreterin Vera Ring sowie den Dramaturgen Carola Hannusch, Florian Heller und Jana Zipse die elf Neuinszenierungen – davon vier Uraufführungen – vorgestellt, die das kommende Spielzeitmotto „Einer muss dran glauben“ auf unterschiedliche Arten beleuchten. Auch die Wiederaufnahmen – darunter das Musical „My Fair Lady“, Urs Widmers „Top Dogs“ und Bertolt Brechts „Der gute Mensch von Sezuan“ – reihen sich hier nahtlos ein.
Außerdem setzen die Essener Theatermacher die erfolgreiche Zusammenarbeit mit der Ruhrtriennale fort: Das Projekt „Masterclass“ erfährt am 17. und 18. September eine Neuauflage. Auch die Reihe „Jazz in Essen“ geht mit fünf Konzerten in eine neue Runde. Zahlreiche Sonderveranstaltungen und Kooperationen – darunter wieder das Projekt „Der geschenkte Platz“, das Kindern und Jugendlichen z. B. aus Kinder- und Flüchtlingsheimen, Behindertenwerkstätten oder Förderschulen durch Spenden einen Theaterbesuch ermöglicht – runden das vielfältige Angebot ab.
Auf 128 Seiten hat das Theater das gesamte Programm im neuen Jahresheft, das erneut von der Krefelder Agentur sputnic sehr ansprechend gestaltet wurde, zusammengefasst. Die Broschüre ist ab sofort im TicketCenter und in den Spielstätten der TUP erhältlich. Sie steht auch in unserem Downloadbereich zum Herunterladen zur Verfügung. Und wenn Sie Lust haben, dann sehen Sie sich auch unseren Spielzeit-Trailer an.

Im Grillo-Theater geht es am 1. Oktober 2016 mit einer Uraufführung los: Regisseur Volker Lösch bringt „Das Prinzip Jago“ nach Motiven aus „Othello“ von William Shakespeare auf die Bühne. Jago, der Prototyp des Anti-Helden, Manipulators, Intriganten, Rassisten und Zerstörers mutiert bei Lösch zu einem Vertreter des heutigen Mediengeschäfts. Auf der Grundlage von Shakespeares mörderischer Tragödie entsteht ein Abend, der Shakespeares spannenden Bühnenkrimi ins Hier und Jetzt transportiert. Und der zudem die schon vor 400 Jahren beschriebenen Mechanismen aufzeigt, wie sich durch skrupellosen Medienmissbrauch rassistisches Denken zu einer tödlichen Gefahr entwickeln kann.
Wer „Parsifal“ hört, denkt natürlich sofort an das große Bühnenweihfestspiel von Richard Wagner. Für die Schauspielbühne hat aber auch Tankred Dorst 1987 eine Version der Grals-Legende geschrieben. Auf der Grundlage von Wagners und Dorsts Werken inszeniert Gustav Rueb die Geschichte um einen jungen Mann, der als Weltensuchender, Weltenzerstörer und Weltenschöpfer auf der Jagd nach einem sinnstiftenden Zusammenhang, einer Aufgabe und einem Gott ist. Die Musikalische Leitung übernimmt der renommierte Jazz-Musiker Eric Schaefer, der u. a. 2013 das Album „Who is afraid of Richard W.“ veröffentlichte, auf dem er Werke Richard Wagners mit Progressive Rock, New Wave, Ambient und Dub fusionierte. „Parsifal“ feiert am 22. Oktober 2016 im Grillo-Theater Premiere.
Mit Michael Endes musikalischer Zauberposse „Der satanarchäolügenialkohöllische Wunschpunsch“ steht ab dem 26. November 2016 wieder ein Stück für Familien und Schulklassen auf dem Spielplan. Was die beiden tierischen Freunde, der kugelrunde Kater Maurizio di Mauro und der zerrupfte Rabe Jakob Krakel, alles anstellen müssen, um an jenem denkwürdigen Silvesterabend die Welt zu retten, das erzählt Regisseurin Anne Spaeter in einer bunten, turbulenten und sehr musikalischen Inszenierung. Karten gibt’s ab dem 25. Juni 2016.
Man stelle sich vor, es klingelt und an der Haustür steht der Tod. – Das ist die Ausgangssituation in Thees Uhlmanns Roman „Sophia, der Tod und ich“, der ums Sterben kreist und zugleich die Herrlichkeit des Lebens feiert. Das viel beachtete Debüt des „Tomte“-Sängers, das schon kurz nach seinem Erscheinen zum Bestseller avancierte, kommt am 3. März 2017 in einer Bühnenfassung von Regisseur Tilman Gersch und Dramaturgin Jana Zipse im Grillo-Theater zur Uraufführung.
Auch Hermann Schmidt-Rahmer kehrt in der kommenden Saison ans Schauspiel Essen zurück: Der erfahrene Regisseur bringt am 29. April 2017 Fjodor Dostojewskis „Dämonen“, ein faszinierendes Meisterwerk über Glaube und Besessenheit, Moral und Skrupel, Revolution und Religion, auf die Bühne.
Den Premierenreigen im Grillo-Theater beschließt am 24. Juni 2017 ein moderner Klassiker: Bertolt Brechts „Leben des Galilei“. Regie bei diesem spannenden Diskurs über Wahrheitssuche und Zweifel, Meinungsfreiheit und totalitäre Strukturen führt Konstanze Lauterbach.

Die erste Premiere in der Casa gibt’s am 10. Dezember 2016 mit einem Stück für Jugendliche ab 14 Jahren: In „Superhero“ geht es um Donald, einen eher schüchternen Jungen, der neben den üblichen pubertätsbedingten Problemen ein noch viel größeres hat: Er hat Krebs. Und so träumt er sich in die Parallelwelt des unverwundbaren MiracleMan, den er erfunden hat und dessen Abenteuer er mit schnellen Strichen in seine Comic-Kladde zeichnet. Die rasante, humorvolle und gleichzeitig todtraurige Coming of Age-Geschichte, die 2012 unter dem Titel „Am Ende eines viel zu kurzen Tages“ auch in die deutschen Kinos kam, stammt vom neuseeländischen Autor Anthony McCarten, der auch die Drehbücher zur „Herr der Ringe“-Trilogie geschrieben hat.
Flüchtlinge als Zombies mit unbändigem Hunger nach Wohlstand, Demokratie, Freiheit und Sicherheit. In Christian Lollikes Stück „Die lebenden Toten oder: Monsters of Reality“, das im Mai bei den Ruhrfestspielen uraufgeführt wird, schicken sich drei Schauspieler an, den ultimativen Zombiefilm für die Festung Europa zu drehen, und gelangen dabei an die Grenzen der Darstellbarkeit. Jörg Buttgereit inszeniert diesen bitterbösen Kommentar zur aktuellen Flüchtlingskrise in der Casa. Premiere ist am 4. März 2017.
Nachdem sie in diesem Jahr die 4. Essener Autorentage gewonnen hat, kann sich Martina Clavadetscher – und nicht nur sie – am 28. April 2017 über die Uraufführung ihres Siegerstückes „Umständliche Rettung“ freuen. Thomas Ladwig übernimmt die Inszenierung dieser „mythischen, merkwürdigen Geschichte“, die „auf der Basis biblischer Motive von einer nahen Apokalypse, vom Verlangen nach Erlösung, Rettung und Gerechtigkeit erzählt“, so die „Stück auf!“-Jury.

In der kleinsten Spielstätte, der Box, wird es zwei Neuinszenierungen geben: Am 2. Oktober 2016 feiert Stefano Massinis „Ichglaubeaneineneinzigengott. (Credoinunsolodio.)“ Premiere. Darin erzählt der 1975 in Florenz geborene Autor von drei Frauen, die in Israel und im Gazastreifen leben und arbeiten: die jüdische Dozentin Edin, die palästinensische Studentin Shirin und die amerikanische Soldatin Mina. Dieser Monolog entstand 2010 und ist angesichts der neu entbrannten Auseinandersetzung im Nahost-Konflikt von ungebrochener Aktualität.
Nachdem sie am Morgen des 21. Februar 2012 die Christ-Erlöser-Kathedrale in Moskau gestürmt und dort ein Punk-Gebet („Mutter Gottes, Jungfrau, verjage Putin!“) verrichtet hatten, waren die fünf jungen Frauen schlagartig weltberühmt: Aus den Punk-Musikerinnen wurden gefeierte „Putin-Kritikerinnen“. Ausgehend von Nadja Tolokonnikowas Buch „Anleitung für eine Revolution“ erarbeiten Regisseurin Magz Barrawasser und Dramaturg Florian Heller eine Bühnenfassung, die unter dem Titel „Pussy Riots“ am 15. Juni 2017 zur Uraufführung kommen wird.

Nach längerer Pause bietet das Schauspiel Essen in der kommenden Spielzeit auch wieder ein mobiles Stück an: Die experimentell-mediale Performance „Drei Farben“ von und mit Christiane Holtschulte, Manuel Loos und Jasper Schmitz ist geeignet für Kinder ab zwei Jahren und kann bei der Theaterpädagogik für Kitas gebucht werden.
Außerdem gehen für alle, die den Blick über den Tellerrand nicht scheuen, im Frühjahr 2017 die spartenübergreifenden TUP-Festtage Kunst⁵ in die zweite Runde: Vom 3. bis 9. April laden das Schauspiel Essen, das Aalto-Musiktheater, die Essener Philharmoniker, das Aalto Ballett Essen und die Philharmonie Essen zu Theater- und Opernaufführungen, Konzerten, Ballettabenden, Vorträgen und Kinderprogrammen ein. Unter der thematischen Klammer „Glaube Macht Kunst“ geht es um die Frage, an was wir heute noch glauben. Das Schauspiel Essen beteiligt sich mit einer „Superhero“- und einer „Parsifal“-Aufführung an den Festtagen.
Neben Kunst⁵ wird es auch eine schon traditionelle TUP-Kooperation wieder geben: Einige Ensemblemitglieder aus Ben Van Cauwenberghs Ballett-Compagnie präsentieren sich im Grillo-Theater erneut als Junge Choreografen: „PTAH IV“ feiert am 25. Mai Premiere.

Allen Theaterfans, die mehr über die Stücke und die Macher auf und hinter der Bühne erfahren möchten, stellen Intendant Christian Tombeil und sein Dramaturgie-Team in einer Matinee am Sonntag, dem 3. Juli ab 11:15 Uhr im CafÚ Central den Spielplan genauer vor – erste, von Schauspielern beigesteuerte Leseproben inklusive. Eintritt frei!

Zum Start in die neue Spielzeit findet am Samstag, dem 10. September ab 15:00 Uhr das traditionelle Grillo-Theaterfest statt.

Abonnements/Vorverkaufsstart:
Am 13. Mai 2016 startet der Abonnementverkauf des Schauspiel Essen.
Vorverkaufsstart für alle fünf „Jazz in Essen“-Konzerte: 1. Juni 2016.
Vorverkaufsstart für „Der satanarchäolügenialkohöllische Wunschpunsch“ und „My Fair Lady“: 25. Juni 2016.

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